Naturkundepfad Melchsee-Frutt |
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Alpenblumen und Karstformen auf dem NaturkundepfadPflanzenwelt
Zwischen diesen trockenen Kalkfelsköpfen sind Tälchen eingefurcht, in denen der Schnee lange liegenbleibt. Zweiblütiges Veilchen, Soldanelle und Mannschild-Steinbrech, Stumpfblättrige Weide und Netzweide ducken sich in diese feuchtkühlen Tiefen. Zusammen mit andern Gehölzpflanzen wie Bergföhren oder verkrüppelten Fichten und Zwergwacholdern sind diese Weidenarten die höchstgelegenen Zeugen einer Zone, in der noch verholzte Pflanzen überleben können.
Die ausgedehnte Mulde zwischen Melchsee und Tannensee wiederum ist geprägt von Fett- und Magerweiden, in die Braunseggenrieder eingesprengt sind. Neben andern Riedpflanzen fallen die weissblühenden Wollgrasarten auf. Ein über grosse Teile des Gebietes Melchsee-Frutt ausgedehntes Pflanzenschutzgebiet soll die ausserordentlich vielfältige und einzigartige Vegetation erhalten. Text: Franz Meier, Luzern Tierwelt Wer durch die Bergwelt von Melchsee-Frutt wandert und mit dem Feldstecher die Hänge und Bergwiesen absucht, wird mit einigem Glück Grosswild vor die Augen bekommen. Im Graustockgebiet lebt eine imposante Steinwildkolonie. Im ganzen Bonistockgebiet, aber auch auf der andern Talseite, gibt es stattliche Gemsrudel. Da im Gebiet von Melchsee-Frutt ein grosses Banngebiet besteht, können sich diese Tiere über Strecken recht frei bewegen. Es lohnt sich aber, wenn man sein Augenmerk auch auf kleinere, unscheinbare Tiere richtet.
So gibt es kaum ein schöneres Erlebnis, als wenn man Murmeltiere bei ihrem Spiel beobachtet. Wunderschön sind auch die farbigen Bachforellen, die sowohl im Melch- als auch im Tannen- oder Blausee und in den Bachläufen leben. Manchmal aber läuft einem an einem Regentag ein Bergmolch über den Weg, oder man entdeckt im Sonnenlicht einen wunderschönen Schmetterling auf einer Bergblume. Auch Grasfrösche und Kröten kann man hier, auf fast 2000 Meter über Meer, noch entdecken. Endlich lohnt es sich, dann und wann den Himmel zu beobachten: im Gebiet von Tannalp kreist nicht selten der Steinadler. Text: Romano Cuonz, Sarnen Karstlandschaft
Im Kleinen ist die Formenvielfalt der Karren augenfällig. Abgerundete Felsformen herrschen auf (früher) vegetationsbedeckten Flächen vor. Scharfkantige Formen entstehen auf unbewachsenen Felsen. An steilen Wänden sind die markanten Rinnenkarren häufig anzutreffen. Die korrosiv modellierte Formenvielfalt der Karren ist erstaunlich gross und bewundernswert. Text und Fotos: Pankraz Trüssel, HGT, Rheinfelden Gletscherspuren
Die weichen Tonschiefer und Mergel zwischen Melchsee und Tannensee konnten von Eis und Schmelzwässern relativ leicht erodiert werden. Demgegenüber leisteten die harten Kalkschichten zwischen Frutt und Boni wesentlich mehr Widerstand. Ursprünglich auf der Felsoberfläche vorhandene Schleif- und Kratzspuren - wie sie in Gebieten mit Granit und Gneis zu sehen sind - wurden durch die Kalklösung in der Nacheiszeit ausgelöscht. Das abgehobelte und mittransportierte Material lagerte der Gletscher an andern Stellen ab, füllte Talsohlen, bildete Moränenwälle und hinterliess Findlinge. Diese Erratiker fallen oft durch ihre andere Farbe oder Beschaffenheit auf. Text und Fotos: Pankraz Trüssel, HGT, Rheinfelden Geologie
Zahlreiche Moränenreste rund um den Melchsee zeugen vom Wirken lokaler Gletscher. Im nördlich gelegenen Gebiet Schratten wird der helle, harte Malmalk sichtbar. Seine Oberfläche ist durch Karstverwitterung stark zerfurcht. Im Untergrund sind durch diese Verwitterung ausgedehnte Höhlensysteme entstanden. Auch der Melchsee-Ausfluss verliert sich nach kurzem Lauf im "Stäubiloch" und tritt erst am Fusse der ausgedehnten Karrenfelder wieder zutage. Text: Josef Hess, Sarnen |
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Entsprechend der grossen Verschiedenheit der Standorte ist die Vielfalt der Pflanzenwelt auf der Frutt riesig. Über die Schratten hinweg zum Bonistock zieht sich auf felsigem und trockenem Boden eine ausgedehnte Trockenrasenzone, durch die unser Pflanzenlehrpfad führt. Solche Standorte sind sehr artenreich. Alpenaster, verschiedene Alpenrosen, Enziane und Flühblümchen grüssen den Betrachter aus den spärlichen Rasenflächen zwischen den weissen Karstfelsen.
Quellen aus alter Zeit berichten denn auch, dass ausgedehnte Gebiete auf der Melchsee-Frutt und auf Tannen noch im Mittelalter mit Wald bestockt waren. Abholzungen zur Gewinnung von Alpflächen und für die Nutzung der Eisenerzvorkommen auf Erzegg haben diese Wälder zum Verschwinden gebracht. Nach diesen Rodungen muss das Klima rauher geworden sein, denn heutige Wiederaufforstungsversuche sind mit grossen Schwierigkeiten verbunden.
Wer durch die Bergwelt von Melchsee-Frutt wandert und mit dem Feldstecher die Hänge und Bergwiesen absucht, wird mit einigem Glück Grosswild vor die Augen bekommen. Im Graustockgebiet lebt eine imposante Steinwildkolonie. Im ganzen Bonistockgebiet, aber auch auf der andern Talseite, gibt es stattliche Gemsrudel. Da im Gebiet von Melchsee-Frutt ein grosses Banngebiet besteht, können sich diese Tiere über Strecken recht frei bewegen. Es lohnt sich aber, wenn man sein Augenmerk auch auf kleinere, unscheinbare Tiere richtet.
Von der Stöckalp zur Melchsee-Frutt durchqueren Luftseilbahn und Strasse einen bemerkenswerten Landschaftstyp: den Karst. Typisch ist das Fehlen von Oberflächengewässern, die stark zerfruchte Landschaft sowie eine enorme Vielfalt an Naturschönheiten. Kalkgestein kann durch kohlesäurehaltiges Regen- und Schmelzwasser abgebaut werden. Feinste Felsfugen werden so in grossen Zeiträumen korrosiv erweitert. An der Oberfläche entstehen dadurch Karren (auch Schratten genannt) und unterirdisch zuerst kleine, wasserwegsame und viel später, beschleunigt durch die Erosion, wirksame, aber unsichtbare Wassernetze.
Die Karstlandschaft ist durch Hügel, Karstgassen, Schichtrippen, nackte Karrenfelder, Felsspalten, tiefe Bodenschächte, Wasserschlucklöcher sowie Dolinen grob gegliedert.
Zahlreiche Spuren in der Landschaft dokumentieren Gletscher-Vorstösse, die letztmals vor 10'000 Jahren ins Melchtal reichten. Durch die intensive Erosion der Gletscher wurde die Geländeoberfläche stark abgetragen und neu geformt. So entstanden Karstgassen, Gletschertöpfe sowie Schichttreppen. Rundhöcker und polierte Felswände zeugen vom Gletscherschliff.
Die Gesteine auf Melchsee-Frutt stammen aus der Jura-Zeit, also aus einer Zeit vor ca. 150 Millionen Jahren und gehören zu den Deckenmassiven, die bei der Alpenfaltung nach Norden überschoben wurden. Im südlichen Teil der Frutt verleiht der Oxfordschiefer dem Geländebecken zwischen Melchsee und Tannensee die weiche und wellige Form.