Forstverein Melchsee-Frutt

 
 


 

Die Aufforstung

«Boni-Wald» mit Blick auf Kapelle

Obwohl der Name «Tannalp» auf ein Vorkommen von Wald schliessen lässt, zeigt sich das Hochtal Melchsee-Frutt bis Tannalp waldlos. Berichten nach muss der «Tannenboden» noch bis Ende des 15. Jahrhunderts mit Hochwald bestockt gewesen sein; der Wald reichte bis auf 2000 m ü. M. Die sanften Geländeformen des Hochtals, die seit langem als Alpwiesen genutzt werden, lassen darauf schliessen, dass schon früh im Mittelalter die Alpen auf Kosten des Waldes bewusst erweitert wurden.

Ein weiterer Umstand hat zum vollständigen Verschwinden des Waldes auf Melchsee-Frutt geführt: die Entdeckung von Eisen-Oolith-Vorkommen an der «Erzegg» im 15. Jahrhundert. Das Eisen wurde in nächster Nähe verhüttet; man benötigte für die Gewinnung einer Tonne Eisen rund 50 Kubikmeter Holz. Speziell im 19. Jahrhundert wurde – auch für den Ausbau des Eisenbahnnetzes – viel Eisenerz abgebaut. So wurde das Hochtal im Laufe zweier Jahrhunderte vollständig entwaldet.

Diese geschichtlichen Erklärungen sind jedoch nicht unbestritten. Einige Fachleute stehen der These, dass es auf der Tannalp Wald gegeben haben soll, sehr skeptisch gegenüber. Sie sind der Meinung, dass der Name Tannalp vom Germanen Danno, der die Alp einst bewirtschaftet hat, also von «Dannos Alp», abgeleitet ist. Auch seien keine Spuren von ehemaligem Wald vorhanden. Und solche müsste es geben, meinen die Experten.

Um den negativen Auswirkungen der Entwaldung entgegen zu wirken, wurde von privater Seite in den Jahren von 1950 bis 1960 erstmals eine Aufforstung durchgeführt. Bei diesem Versuch auf einer Fläche von 2,8 Hektaren zeigten Lärchen und Legföhren ein erfreuliches Wachstum, während Fichten und Arven weniger gut gediehen. Diese Privatinitiative wurde aus unbekannten Gründen nicht weitergeführt.

Eine Studie des Oberforstamtes Obwalden vom August 1991 kommt zum Schluss: Für eine Wiederbewaldung des Hochtals haben sich die klimatischen Voraussetzungen stark verschlechtert. Bei intensiver Betreuung der Aufforstungen dürften sich aber für die ferne Zukunft wieder Bestände aufrecht wachsender Baumarten einstellen und der Wiederbewaldung Vorschub leisten.

Von einer Bieridee zur Forstgenossenschaft

Forstarbeiter bei der Arbeit

Im März 1986 trafen sich an der Bar des Sporthotels Kurhaus Frutt einige Gäste; mit dabei war der damalige Hotelier Sepp Durrer †. Er wusste seine Verbundenheit und sein Wissen über die «Frutt» so interessant darzustellen, dass in der Folge eine rege Diskussion um den fehlenden Wald auf der «Frutt» entstand. Die Idee der Aufforstung war damit geboren. Mit dem Vorsatz, eine Forstgenossenschaft zu gründen, gingen die Gäste als zukünftige Forstgenossen und Forstgenossinnen am frühen Morgen auseinander.

Sepp Durrer konnte Kantonsoberförster Peter Lienert für die Idee gewinnen. Mit seiner Unterstützung erhielt die Forstgenossenschaft von der Korporation, der Landbesitzerin, die Bewilligung zur Aufforstung und eine Zuteilung der Pflanzgebiete. Der offiziellen Gründung der Forstgenossenschaft stand nichts mehr im Weg.

Im April 1986 wurde die Gründungsversammlung abgehalten, im März 1987 erfolgte der Eintrag ins Handelsregister. 13 Genossenschafter zeichneten die ersten Anteilscheine. Ein Auszug aus den Statuten:

  • Die Genossenschaft bezweckt die Wiederaufforstung des Melchsee-Frutt-Gebietes mit resistenten Nadelbäumen aller Art.
  • Sie bezweckt den Baumbestand in gemeinsamer Selbsthilfe zu vermehren und zu unterhalten.
  • Bei den Mitgliedern der Genossenschaft handelt es sich um natürliche Personen, denen die Fauna der Melchsee-Frutt ein besonderes Anliegen ist, sei es als Bewohner, Hoteliers oder als Stammgäste.
Neue Pflanzen werden gesetzt

Mit viel Elan machten sich die neuen Forstgenossinnen und Forstgenossen an die Arbeit. Zwei Pflanzgebiete wurden festgelegt: am Hangfuss des Boni-Felsbandes und am Fussweg um den Melchsee unterhalb des Glogghüs im «Spickel». Am 11. Juli 1987 wurden die Pflanzplätze eingehagt und mit fachlicher Unterstützung des Kantonsoberförsters die ersten 500 Pflanzen gesetzt. Mit dabei war auch eine Filmequipe vom Schweizer Fernsehen DRS Aktuell.

Aus administrativen Gründen wurde die Forstgenossenschaft im Jahr 2003 in einen Verein, den Forstverein Melchsee-Frutt, umgewandelt.

Der Forstverein Melchsee-Frutt heute

Forstteam beim Wald im Spickel

Heute befasst sich der Forstverein hauptsächlich mit der Pflege und dem Ausbau der beiden Pflanzgebiete. Im Frühjahr werden die «Wälder» neu eingehagt und bei Bedarf weitere Bäumchen gepflanzt. Im Spätherbst werden die Pflanzgebiete nochmals kontrolliert und für den Winter vorbereitet.

Neben den Arbeiten für die Aufforstung, die von den Vereinsmitgliedern finanziert und in ihrer Freizeit durchgeführt werden, gehören aber auch gesellschaftliche Anlässe mit gemütlichen und fröhlichen Stunden zum Programm. Der Forstverein hat gegenwärtig 27 Mitglieder (Stand 2007). Seit der Gründung wurden über 1'200 Pflanzen gesetzt.

 
 
Kontakt

Forstverein Melchsee-Frutt
c/o Christl Götz
Speiserstrasse 14,  4600 Olten
Email: forstverein [at] melchsee-frutt.com

 
Flyer Forstverein unter: Download